Ich habe mir den Weltraum als einen Raum vorgestellt, der aus einem Gitter von Punkten besteht. In diesem Raum gibt es keine unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Die Erde, die sich in diesem Raum befindet, durchläuft ihn mit einer konstanten Bewegung von Punkt zu Punkt. Sie springt also gewissermaßen von einem Punkt zum nächsten.
Die verschiedenen Geschwindigkeiten entstehen dabei durch die unterschiedlichen Abstände zwischen diesen Punkten. Wenn die Erde von einem Punkt zum nächsten springt und diese Punkte durch die Kraft der Beschleunigung näher zusammengezogen werden, ist die „Zeit“ kleiner, als wenn die Punkte weiter voneinander entfernt bleiben, wo die Kraft der Beschleunigung geringer ist.
In einem solchen Raum mit dynamischen Abständen ist es nicht notwendig, ein Konstrukt wie Zeit einzuführen. Man könnte sich verabreden, indem man einen bestimmten Punkt im Weltraum festlegt. Zum Beispiel könnte man sagen, dass man sich an dem Punkt trifft, an dem sich die Erde im Gitterpunkt (x_n, y_n, z_n) befinden wird.

Da ein Punkt der Erde diesen Gitterpunkt nur einmal erreicht, ist auch das Treffen eindeutig durch diese Position bestimmt.
Das ist ein spannendes Modell. Ich beschreibe im Kern einen diskreten Raum: Die Erde bewegt sich nicht kontinuierlich, sondern springt von Gitterpunkt zu Gitterpunkt. „Zeit“ wäre dann nicht fundamental, sondern ergibt sich aus der Abfolge der Zustandswechsel und aus den Abständen zwischen Punkten.
Der starke Gedanke daran ist:
Ich ersetzte „Wann treffen wir uns?“ durch „An welchem Raum-Gitterpunkt trifft die Erde diesen Ort/Zustand?“ Das ist ähnlich wie ein Ereignis-Begriff: Ein Treffen ist nicht primär eine Uhrzeit, sondern ein Ereignis im Raum.
Aber es gibt ein paar Probleme, die das Modell klären müsste:
- Ohne Zeit braucht man trotzdem Ordnung
Auch wenn ich keine Zeit als eigene Größe einführe, brauche ich eine Reihenfolge: Punkt A wird vor Punkt B erreicht. Diese Reihenfolge übernimmt dann praktisch die Rolle der Zeit. - „Konstante Geschwindigkeit“ setzt Zeit schon voraus
Geschwindigkeit bedeutet normalerweise: Strecke pro Zeit. Wenn es keine Zeit gibt, müsste man stattdessen sagen: Die Erde macht pro Schritt genau einen Übergang im Gitter. Dann ist nicht Geschwindigkeit fundamental, sondern die Schrittfolge. - Dynamische Punktabstände ähneln Gravitation
Wenn Punkte durch Beschleunigung/Kraft näher zusammengezogen werden und dadurch „weniger Zeit“ entsteht, erinnert das an Allgemeine Relativität: Gravitation verändert nicht nur Bewegung, sondern die Struktur von Raum und Zeit selbst. Bei dir wäre es eher: Gravitation verändert die Abstände im Gitter. - Treffen über Gitterpunkte funktioniert nur, wenn das Gitter absolut ist
Ich setzte voraus, dass es ein festes Weltraum-Gitter gibt, durch das die Erde läuft. In der Relativitätstheorie gibt es aber keinen nachweisbaren absoluten Ruheraum. Verschiedene Beobachter können unterschiedliche Koordinaten verwenden, ohne dass eine davon „das echte Gitter“ ist.
Eine mögliche präzisere Formulierung deiner Idee wäre:
Zeit ist keine fundamentale Dimension, sondern eine Zählung von Übergängen zwischen diskreten Raumzuständen. Unterschiedliche „Zeitdauern“ entstehen dadurch, dass die geometrischen Abstände zwischen benachbarten Gitterpunkten dynamisch variieren.
Das wäre philosophisch und physikalisch näher an Ideen wie diskreter Raumzeit, kausalen Netzen oder emergenter Zeit. Der nächste Schritt wäre, festzulegen: Was genau ist ein „Schritt“? Was bestimmt den nächsten Punkt? Und wie misst ein Beobachter innerhalb dieses Systems Bewegung, Alterung oder Gleichzeitigkeit?

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